Von Sandra Florindo, Gründerin von Portucale Tours
Nordportugal ist für mich kein Reiseziel; es ist meine Heimat, mein Herz. Meine gesamte Kindheit verbrachte ich dort, vom Baby bis zum zehnten Lebensjahr, aufgewachsen bei meinen Großeltern in einer Welt, die von Einfachheit und doch von unglaublichem Reichtum geprägt war. Meine Erinnerungen sind dort noch immer allgegenwärtig: in den Hügeln, zwischen den gewaltigen Felsen, in den Düften, in der Küche meiner Großmutter, wo sich das Leben abspielte.
Ich sehe mich wieder neben meiner Großmutter stehen, während die ganze Familie Schweine schlachtete und Würste machte – mit einer Selbstverständlichkeit, die ich damals für normal hielt. Traditionen wurden weitergegeben, ohne dass man sie aussprechen musste. Meine Cousins warteten draußen, und gemeinsam aßen wir Obst der Saison, tobten durch die Hügel, spielten Verstecken zwischen den Korkeichen und erfanden unsere eigenen Welten. Wir hatten kaum Spielzeug, aber etwas viel Wertvolleres: Freiheit, Weite und eine Natur, die uns jeden Tag aufs Neue herausforderte, sie zu entdecken.
Diese Natur lebt noch immer in mir. Trás-os-Montes, und besonders mein wunderschönes Dorf Larinho, ist nach wie vor der Ort, der mein Herz höherschlagen lässt. Jedes Mal, wenn ich die letzte Kurve nehme und das Dorf vor mir sehe, kribbelt es in meinem Bauch. Es ist, als ob die Zeit plötzlich stillsteht und ich wieder das Mädchen bin, das stundenlang draußen verbrachte, ohne an die Zeit zu denken. Die Felsen, die Korkeichen, der Duft von Lavendel im Sommer, die raue Landschaft, die sich nicht zähmen lässt – es ist eine Art von Reinheit, die man nirgendwo sonst findet.
Während einer meiner Wanderreisen, viele Jahre später, wurde mir plötzlich bewusst, dass ich die Schönheit meiner Jugend fast schon als selbstverständlich hingenommen hatte. Als ich durch die Landschaft wanderte, die mich so geprägt hatte, dachte ich: Warum wissen das so wenige Niederländer? Warum ist fast niemandem bewusst, wie besonders der Norden Portugals ist? In diesem Moment entstand die Idee, Reisen zu organisieren. Nicht, weil ich einen neuen Job suchte, sondern weil ich spürte, dass ich diesen Teil Portugals teilen und immer wieder dorthin zurückkehren wollte. Es ist ein Ort, den ich in- und auswendig kenne, und genau deshalb kann ich meine Liebe zu ihm so ehrlich und aufrichtig weitergeben.
Die Menschen im Norden sind genauso besonders wie die Landschaft. Großzügig, warmherzig, bescheiden, hilfsbereit und immer authentisch. Diese Mentalität habe ich selbst geerbt, und sie prägt mein Heimatgefühl. Jede Reise nach Larinho fühlt sich an wie eine Rückkehr – zu meiner Familie, zu meinen Freunden, aber auch zu den Erinnerungen an all jene, die nicht mehr da sind.
Manchmal werde ich gefragt, warum ich meine Gruppen nicht auch an die Algarve oder in den Süden mitnehme; das sind doch Orte, die jeder kennt. Genau deshalb fahre ich nicht dorthin. Der Süden ist wunderschön, aber der Norden erzählt eine ganz andere Geschichte. Er ist weniger touristisch, weniger überlaufen, weniger hektisch. Es ist eine Region, die noch ursprünglich und authentisch ist, voller Charakter und unverfälscht. Hier schmeckt man die wahren Aromen Portugals, riecht das köstliche, frisch gebackene Brot, lauscht dem Wind in den Olivenbäumen und erlebt Gastfreundschaft, die nicht aufgesetzt, sondern tief verwurzelt ist.
Als ich Portucale Tours gründete, wusste ich, dass ich kein gewöhnlicher Reiseleiter mit auswendig gelernten Texten sein wollte. Ich möchte, dass die Menschen das Nordportugal erleben, das ich kenne. Mein Nordportugal. Der Ort, an dem ich aufgewachsen bin, wo ich gelernt habe, was Freiheit bedeutet, wo ich die Schönheit der Einfachheit entdeckt habe. Ich hoffe, dass Reisende nicht nur die Landschaft sehen, sondern auch das Gefühl mitnehmen, das sie vermittelt. Dieses sanfte, melancholische Gefühl, das die Portugiesen auszeichnet. saudade Um es genauer zu sagen: eine Sehnsucht nach etwas, das man kennt und immer bei sich trägt.
Und genau deshalb habe ich mich für Nordportugal entschieden. Weil dies meine Heimat ist und weil ich mir nichts sehnlicher wünsche, als dass andere erleben, was dieser Ort in mir hinterlassen hat.













